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Wir über uns :

Mehr als hundert Jahre SPD in Eisenberg

Unter Eisenberg, 17. Januar 1900, wird in der damaligen Zeitung folgendes berichtet: „Heute ereignete sich in der hiesigen Chamottefabrik der Herren Schiffer und Kircher ein schwerer Unglücksfall. Als nämlich der 20 Jahre alte Fabrikarbeiter Karl Wittner von Göllheim damit beschäftigt war, die Mengmaschine mit Masse zu füllen, gerieth er mit dem linken Fuße zwischen den Thonschneider, durch welchen ihm hierbei der Fuß am Knöchel fast vollständig abgeschnitten wurde. Der rasch zur Hilfe gerufene Bader Baade von hier trennte daher den Fuß vollständig los und legte den ersten Nothverband an, worauf der Verunglückte nach Göllheim zu weiterer ärztlicher Behandlung verbracht wurde. Der Verletzte ist der einzige Sohn einer Witwe und Hauptstütze derselben. Beizufügen ist noch, daß vor ca. 3 Wochen an derselben Maschine einem anderen Arbeiter, nämlich dem Heinrich Zacharias von Rodenbach, der rechte Arm abgerissen wurde.“
Solche Unfälle waren an der Tagesordnung. Im Tonbergbau erlitten jedes Jahr rund 20 Prozent der Bergarbeiter einen Unfall. Es gab viele Tode. Die Witwen und Kinder der Verunglückten, wie auch die schwer Verletzten mussten Not leiden. Diese unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen waren der Grund dafür, dass sich die Arbeiter in Eisenberg als SPD-Ortsverein am 1. April 1902 im Gasthaus „Zum Engel“ zusammenschlossen, um für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen.

Im Kaiserreich - vom Bürgertum ausgegrenzt

Jakob Vowinkel war 1902 der erste Vorsitzende des Ortsvereines. Er hatte nicht die bayrische Staatsangehörigkeit und durfte daher in der bayrischen Pfalz als württembergischer Bürger nicht wählen oder gewählt werden. Die bayerische Staatsbürgerschaft und das Heimatrecht verlieh der Gemeinderat nur denjenigen, die mindestens sechs Jahre Einwohner waren und ein geregeltes Einkommen hatten.
Die schriftliche Forderung nach einem Volksbad, erhoben von Jakob Vowinkel für den Ortsverein, beschäftigte den Gemeinderat erstmals am 1. 9. 1902 und bis 1963 noch sehr oft.

Am 10. 11. 1904 wird der Bergmann Georg Konrad Müller als der erste Sozialdemokrat in den Gemeinderat von Eisenberg gewählt. Im Juli 1905 begraben herabstürzende Tonmassen Georg Konrad Müller an seinem Arbeitsplatz. An seinem Grab legt der bayrische Landtagsabgeordnete Friedrich Profit aus Ludwigshafen vor mehreren Hundert Bergleuten ein wirkungsvolles Bekenntnis für die SPD ab. Dies findet in Eisenberg große Beachtung und sorgt bei den bürgerlichen Vertretern in der Gemeinde für einige Unruhe.

Vorsitzender der Eisenberger Sozialdemokraten ist von 1909 bis 1930 Karl Eichling.

Karl Eichling, geboren 24.08.1873, gestorben 02.09.1934
Karl Eichling, geboren 24.08.1873, gestorben 02.09.1934

Erst 1913 und 1915 kommen mit Karl Eichling und Johannes Breunich wieder Sozialdemokraten in den Gemeinderat.

Für ein demokratisches Deutschland

Im Juni 1919 demonstrieren die Eisenberger Arbeiter gegen die Separatisten. An der Spitze des Demonstrationszuges der SPD-Vorsitzende Karl Eichling. Die französische Besatzungsmacht brachte Bajonette und Maschinengewehre gegen die Demonstranten in Stellung. Karl Eichling wird mit weiteren Demonstranten verhaftet. Erst nach mehreren Wochen wird er wieder freigelassen. Die noch wenige Jahre zuvor als „vaterlandslose“ Gesellen gescholtenen Männer traten unter großen persönlichen Risiken für die deutsche Einheit ein.

Im Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zeigten besonders Erich Beyer und Ludwig Vetter großes Engagement. Am Himmelfahrtstag 1928 unternahmen die Nazis mit Gauleiter Bürckel den Versuch das „rote“ Eisenberg zu stürmen. Es kam zu Tumulten, als die Nazis in die Decke des Versammlungslokals schossen. Die SPD-Anhänger konnten die SA aus dem Saal drängen. Die SA-Versammlung fand ein vorzeitiges Ende.

Karl Mandler war von 1925 bis 1933 dritter Bürgermeister der Gemeinde. Zusammen mit seinen Freunden hatte er insbesondere am Ende der Weimarer Republik keinen leichten Stand sich gegen die bürgerliche Mehrheit für die wachsende Anzahl der Erwerbslosen einzusetzen. Von 1930 bis 1933 führte Franz Storbeck den SPD-Ortsverein.
Eisenberger Arbeiterjugend 1929/1930

Eisenberger Arbeiterjugend 1929

Die NS-Diktatur siegt und festigt ihre Macht

10.03.1933 Hakenkreuzfahne am Rathaus
10.03.1933 Hakenkreuzfahne am Rathaus

Anfang März 1933 werden von den Nazis in Eisenberg acht sozialdemokratische Funktionäre verhaftet. Während des Abtransportes der Inhaftierten versammelten sich etwa tausend Eisenberger vor dem Gendarmeriegebäude, um gegen die braune Willkür zu protestieren. Die empörte Menge wurde mit Revolvern und Karabinern in Schach gehalten.

Am 22. 04. 1933 erfolgte die Neubildung des Gemeinderates auf der Grundlage des Wahlergebnisses der Reichtstagswahl vom März 1933 unter Weglassung der Kommunistischen Partei. Die SPD konnte oder durfte keinen Wahlvorschlag einreichen. Der Gemeinderat wurde von der NSDAP und dem Wahlvorschlag „Zentrum und bayerische Volkspartei“ gebildet. Sechs der zwölf NSDAP-Gemeinderäte saßen noch zwei Monate vorher als Vertreter der „freien bürgerlichen Vereinigung“ im Gemeinderat. Ende Juni 1933 wird bekanntgegeben, dass die drei Mitglieder von Zentrum und bayerischer Volkspartei ihr Mandat im Gemeinderat niedergelegt haben. Die Gleichschaltung ist abgeschlossen.

Babette Andres kommt das Verdienst zu, das Protokollbuch des Ortsvereins über das Dritte Reich gerettet zu haben. Familie Asel versteckte die Fahne der Sozialistischen Arbeiterjugend Eisenbergs während der braunen Diktatur.

 

Sozialdemokratisch geprägtes Industriedorf und Stadt Eisenberg

Am 26. 12. 1945 dokumentieren in einer Zusammenkunft 24 Personen schriftlich, dass sie einem SPD-Ortsverein als Mitglieder beitreten wollen. Darunter etliche die auch schon bis 1933 in der Partei aktiv waren. Die örtliche Gründung von Parteien wurde in der französischen Besatzungszone erst im Laufe des Jahres 1946 erlaubt. Erster Vorsitzender nach der Wiedergründung war von 1946 bis 1950 Johannes Frank.

Josef Diehl war von 1946 bis 1963 der erste sozialdemokratische Bürgermeister. Gegenüber der französischen Besatzungsmacht vertrat er standhaft die Interessen der Bevölkerung. Es mussten die großen Herausforderungen wie Verbesserung der Ernährung, Schaffung von Wohnraum für die vielen Flüchtlinge und vieles andere mehr bewältigt werden.

Vorsitzender des Ortsvereins von 1951 bis 1956 war Wilhelm Bernhard. 1952 fand anlässlich des 50jährigen Jubiläums des SPD-Ortsvereins der Bezirksparteitag der Pfälzischen SPD in Eisenberg statt. Hauptredner des Parteitages war Erich Ollenhauer. Er sprach auch vor mehr als 1.700 Eisenbergern.

Im Wahlkampf 1961 versammelten sich auf dem Marktplatz 5.000 Menschen, um Willy Brandt, den Bürgermeister von Berlin sprechen zu hören. Sie demonstrierten damit auch ihre Solidarität mit den Menschen in der geteilten Stadt.

Willy Brandt am 14.06.1961 auf dem Marktplatz

Willy Brandt am 14.06.1961 auf dem Marktplatz

Von 1957 bis 1979 war Philipp Mayer Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Er prägte die Partei nachhaltig. Sein Einsatz für die Menschen und für seine SPD war beispielhaft. Als Landtagsabgeordneter von 1967 bis 1979, wie auch als langjähriger Beigeordneter von Stadt und Verbandsgemeinde, hat er sich um Eisenberg verdient gemacht.

Bürgermeister Heinrich Rauschkolb und Philipp Mayer 1969

Bürgermeister Heinrich Rauschkolb und Philipp Mayer 1969

Ortsvereinsversammlung in den 70er Jahren

Ortsvereinsversammlung in den 70er Jahren

Ende der siebziger Jahre hatte der Ortsverein mit 335 Mitgliedern seinen bisherigen Höchststand erreicht.

Edmund Oestreicher war Vorsitzender von 1980 bis 1996. Unter seiner Leitung konnte die SPD in Eisenberg ihre starke Position behaupten und einige sehr gute Wahlergebnisse erzielen. Dies ist umso bemerkenswerter, da sich seit 1980 die traditionellen Bindungen zu den Parteien lockern. Außerdem ließ das politische Engagement der Menschen, besonders der Jungen, deutlich nach.

Der gesellschaftliche Strukturwandel wirkt sich aus

Bei der ersten Direktwahl 1996 verfehlte die SPD knapp ihr Ziel, Verbandsbürgermeister Walter Brauer in Personalunion zum Stadtbürgermeister zu wählen. An der Spitze des Ortsvereins gab es einen Führungswechsel. Die Mitglieder wählten Reinhard Wohnsiedler zum Vorsitzenden. Drei Jahre später verlor die SPD erstmals seit 1946 die absolute Mehrheit in Eisenberg und ist im Stadt- und Verbandsgemeinderat in der Opposition. Bei der zweiten Direktwahl des Stadtbürgermeisters scheiterten die Sozialdemokraten deutlich. Für diese Wahlniederlagen gibt es bundespolitische Gründe, es wurden aber auch Fehler vor Ort gemacht.

Das 100jährige Jubiläum ihres Ortsvereines feierten die Eisenberger Sozialdemokraten 2002 im großen Saal des Evangelischen Gemeindehauses mit zahlreichen Gästen. Die Festansprache hielt Kurt Beck, der Ministerpräsident und Landesvorsitzende der SPD von Rheinland-Pfalz.
Jubilare mit Landesvorsitzendem und Ministerpräsidenten Kurt Beck am 12.04.2002 bei der 100jährigen Jubiläumsfeier

Jubilare mit Landesvorsitzendem und Ministerpräsidenten Kurt Beck am 12.04.2002 bei der 100jährigen Jubiläumsfeier

2004 war die bundespolitische Stimmung für die SPD auf einem Tiefpunkt. Entsprechend waren die Verluste bei den Wahlen zum Stadt- und Verbandsgemeinderat 2004. Wiederum musste die Partei in beiden Gremien jeweils den Verlust eines Mandates hinnehmen und blieb weiterhin in der Opposition. Einen großen Erfolg konnte gegen den allgemeinen Trend Walter Brauer erzielen. Er wurde mit mehr als zwei Drittel der Stimmen für weitere acht Jahre als Verbandsbürgermeister gegen den von der FWG unterstützten CDU-Kandidaten wiedergewählt. Einen Achtungserfolg konnte Rechtsanwalt Karsten Remien als SPD-Kandidat für das Amt des Stadtbürgermeisters erzielen.

Ausser den Aktivitäten zur Kommunalpolitik, in Wahlkämpfen, Vereinsversammlungen, aktuellen politischen Veranstaltungen und die Herausgabe des Infoblattes „So isses!“ führt der Ortsverein jährlich einen Neujahrsempfang mit Ehrungen und einen „Politischen Aschermittwoch mit Heringsessen“ durch. Am „Autofreien Eistal“ am 3. Oktober, dem Nationalfeiertag beteiligen sich die Eisenberger Sozialdemokraten jedes Jahr mit einem Stand.

Bei der Kommunalwahl 2009 konnten im Stadtrat und im Verbandsgemeinderat die Anzahl der Mandate gehalten werden. Die Mandatsgewinne der neu aufgetretenen Listen Bündnis 90 / Die Grünen und die Linke und andererseits die Verluste bei CDU und FWG führten dazu, dass im Verbandsgemeinerat eine Koalition zwischen SPD und FWG vereinbart wurde. Neben Walter Brauer als Verbandsbürgermeister ist seither die SPD auch mit Reinhard Wohnsiedler als 2. Beigeordneten mit dem Geschäftsbereich Bauverwaltungsamt in der Verwaltungsspitze vertreten. Im Stadtrat blieb die Partei weiter in der Opposition. Manfred Rauschkolb, der unterlegene Stadtbürgermeisterkandidat, wurde zum Vorsitzenden der Stadtratsfraktion gewählt.

Sozialdemokraten haben Eisenberg voran gebracht


Josef Diehl bei der Stadterhebung am 16.03.1963

Josef Diehl leitete die Entwicklung vom Arbeiterdorf zur Kleinstadt. Seine Bürgermeistertätigkeit krönte 1963 die Stadterhebung und die Errichtung des schönen Waldschwimmbades. An die erfolgreiche Kommunalpolitik von Josef Diehl knüpften die sozialdemokratischen Bürgermeister Heinrich Rauschkolb, Winfried Hirschberger, Dietrich Holthöfer und Walter Brauer an und entwickelten sie weiter. Die Infrastruktur, die den Bürgern, der Industrie und den Gewerbetreibenden in Eisenberg zur Verfügung steht ist sehr gut. Was kommunalpolitisch erreicht wurde ist enorm und braucht den Vergleich mit anderen Kleinstädten nicht zu scheuen.

Sozialdemokraten standen in Eisenberg, wie auch anderswo, immer auf der Seite der Demokratie gegen jede Diktatur. Sie haben sich eingesetzt für soziale Gerechtigkeit und für ein Leben in Würde. Der SPD-Ortsverein ist stolz auf die Menschen, die als Sozialdemokraten für ihre Mitmenschen gewirkt haben und steht in dieser Tradition.

 

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